Methoden zum Goldtest
Für den Goldtest stehen zahlreiche Prüfmethoden zur Auswahl. Das optimale Vorgehen ist unter anderem abhängig von Geometrie, Beschaffenheit und Goldgehalt der Prüfobjekte. Je nachdem ob Goldschmuck, Goldbarren, Zahngold, Goldnuggets oder Goldmünzen geprüft werden sollen, können unterschiedliche Verfahren eingesetzt und kombiniert werden. In den folgenden 3 Abschnitten zeigen wir Ihnen das richtige Vorgehen zur Prüfung der Echtheit von Goldbarren, Goldmünzen und Goldschmuck. Falls Sie sich genauer zur Funktionsweise und Anwendung einzelner Prüfmethoden informieren möchten, können Sie über die Prüfmethodik-Icons zu dem jeweiligen Prüfgerät gelangen. Unsere Rubrik Münzabmessungen & Gewichte ist übrigens für das Nachschlagen von Abmessungen bei der Münzprüfung sehr hilfreich.
Trotz der hohen Genauigkeit der Goldprüfgeräte bleibt ein wichtiges Prinzip der Goldprüfung bestehen: Eine alleinstehende Prüfmethode kann zerstörungsfrei niemals alle Fälschungen identifizieren. Es ist immer eine Kombination aus mehreren Methoden (mindestens zwei, z.B. Dichte und Leitfähigkeit) ratsam. Die einzige Methode, die zweifelsfrei Auskunft über die vollständige Zusammensetzung auch im Inneren der Edelmetalle geben kann, ist der chemische Aufschluss (Auflösung in Säure) und die folgende Analyse. Doch ist hierfür die Zerstörung des Barrens nötig - nicht ideal für den geneigten Edelmetallanleger!
Inhaltsverzeichnis
- 1. Goldbarrenprüfung
- 1.1 Kleinere Barren bis circa 1 Unze
- 1.1.1 Gewichtsprüfung
- 1.1.2 Abmessungen
- 1.1.3 Dichte
- 1.1.4 Elektrische Wirbelstrommessung mit dem GoldScreenSensor oder dem GoldScreenPen
- 1.1.5 Magnetwaage
- 1.2 Größere Goldbarren (ab circa 50 g)
- 1.2.1 Ultraschallbestimmung
- 2. Echtheit von Goldmünzen prüfen
- 2.1 Gewicht und Abmessungen ermitteln / Dichteprüfung
- 2.2 Elektrische Wirbelstrommessung
- 2.3 Magnetwaage bei Münzen
- 2.4 Oberflächliche Bestimmungsmethoden
- 3. Goldschmuck prüfen
- 3.1 Fälschungen von Goldschmuck
- 3.2 Besonderheiten von Schmuckgold-Legierungen
- 3.3 Vorgehen bei der Prüfung von Schmuckgold
- 3.3.1 Oberflächliche Prüfung mit Prüfsäuren oder Röntgenfluoreszenzanalyse
- 3.3.2 Eindringende Methoden
1. Goldbarrenprüfung
Im ersten Abschnitt zeigen wir Ihnen ein geeignetes Vorgehen zur Prüfung von Goldbarren. Dabei spielen vor allem die Größe des Barrens und der Verpackungszustand (mit oder ohne Kunstoffumhüllung bzw. Blister) eine Rolle.
1.1 Kleinere Barren bis circa 1 Unze
1.1.1 Gewichtsprüfung
In der Praxis sind viele Barren in Blistern mit Zertifikat und Seriennummer verpackt. In diesen Fällen ist es oftmals schwierig, das korrekte Gewicht des reinen Metalls zu ermitteln ohne den Barren auszupacken. Nichtsdestotrotz sollte man prüfen, ob das Gewicht plausibel ist bzw. im Internet vorab nach passenden Gesamtgewichten recherchieren. Viele Hersteller geben zumindest die ungefähren Sollgewichte für bestimmte Barrenserien preis. Oft ist das Ergebnis auch mit Blister äußerst unplausibel - so zum Beispiel bei einem auf dem ersten Blick gut gemachten, gefälschten 1 Unzen Barren den wir vor einer Weile untersucht haben. Das Gewicht zusammen mit Blister betrug gerade einmal 31,3 g - somit würde der Blister nur 0,2 g wiegen, was natürlich nicht sein kann. Daher konnte dieser Barren schnell als Fälschung identifiziert werden.
1.1.2 Abmessungen
Hat das Objekt die erste Kontrolle erfolgreich passiert, misst man am besten mit einem digitalen Messschieber oder einer Bügelmessschraube die korrekten Abmessungen nach. Für die meisten Barren und Barrengrößen gibt es eindeutige Referenzabmessungen (abrufbar bei den Internetauftritten der Hersteller) mit denen diese übereinstimmen müssen:
Kunststoff-Verpackungen
Im Gegensatz zum Gewicht, können die Abmessungen nahezu exakt durch die Blister festgestellt werden. Unter Umständen kann mit einem Zollstock dabei präziser gemessen werden als mit einem Messschieber. Breite und Länge sind in der Regel präzise messbar. Bei der Überprüfung der Dicke ist es eventuell nötig, ein wenig in die Verpackung einzudrücken. Natürlich nimmt die Messungenauigkeit immer weiter zu, je kleiner die Barren sind.
Achtung: Bei Zweifeln zur Echtheit (optische Abweichungen, potentiell unseriöse Quelle, erstaunlich niedriger Preis, etc.) empfehlen wir Ihnen, den Barren auszupacken und genau nachzumessen und zu wiegen. Das mag nicht optimal sein, ist aber besser als eine Fälschung zu kaufen!
Bei den folgenden Bildern handelt es sich um eine Fälschung (Leitwert bei GoldScreenSensor: 14,5 statt 45 MS/m). Gewicht, Länge und Breite sind sehr präzise imitiert. Die Dicke ist jedoch viel zu hoch (ca. 4,7 mm statt 1,75 mm), was man trotz Blister deutlich erkennen kann:
1.1.3 Dichte
Wenn die Dichte bzw. die "Pseudo-Dichte" (Abmessungen & Gewicht) korrekt sind können viele Fälschungstypen ausgeschlossen werden. Es kommen in der Folge nämlich nur noch Legierungen als Fälschungsmaterialien in Frage, welche die gleiche Dichte wie das jeweilige Edelmetall haben. Die folgende Vergleichstabelle zeigt, welche Reinmetalle und Legierungen eine ähnliche Dichte wie Feingold haben (selbstverständlich ist dies aufgrund der Vielzahl möglicher Materialien und potenzieller Neuentwicklungen keine gänzlich vollständige Liste):
Typische Fälschungsstoffe für Reingold 999er:
1.1.4 Elektrische Wirbelstrommessung mit dem GoldScreenSensor oder dem GoldScreenPen
Um kleine Barren (bis circa 50 g) zerstörungsfrei auf das Vorliegen dichte-gleicher Fälschungsmaterialien zu untersuchen, ist mindestens eine weitere Prüfmethode nötig. Eine hervorragende Möglichkeit, um bis zu einer gewissen Tiefe unter die Oberfläche solcher möglichen Fälschungen zu sehen, ist die Wirbelstrommessung. Mit dieser Methode ist es möglich, die elektrische Leitfähigkeit im Inneren von Edelmetallen zu ermitteln. Das Ergebnis der Leitfähigkeitsmessung wird vom GoldScreenSensor mit den jeweiligen "Soll"-Wert abgeglichen. Treten hier Abweichungen auf, hat man klare Hinweise auf eine potenzielle Goldfälschung. Glücklicherweise haben alle uns bekannten Fälschungsmaterialien mit gleicher Dichte einen von Reingold abweichenden Leitwert (angegeben in der physikalischen Einheit Megasiemens pro Meter [MS/m]). Somit können diese tückischen Imitate mit dem Goldanalytix GoldScreenSensor oder dem GoldScreenPen identifiziert werden (wie sie z.B. 2022 in Köln in Umlauf geraten sind.) Beachten Sie aber unbedingt die jeweiligen Eindringtiefen in die unterschiedlichen Edelmetalle. Denn nur bis zu diesen Grenzen ist es möglich Abweichungen durch ein Fremdmaterial festzustellen. Bei Silber beispielsweise beträgt die Eindringtiefe des GoldScreenSensors circa 250 µm - dies ist zwar viel wenn man bedenkt, dass die meisten Beschichtungen lediglich 20 µm dick sind und somit sehr viele Fälschungen bis meist circa 1 Unze identifiziert werden können. Bei größeren Objekten wie einem 100 Gramm oder gar 1-Kilogramm Barren hingegen wäre es durchaus denkbar, dass die Fälscher dickere Schichten auftragen und daher wäre eine Prüfung allein mit dem GoldScreenSensor oder dem GoldScreenPen nicht ausreichend.
Ganz wichtig:
Es gibt auch Materialien, deren Leitwert dem von Feingold ähnelt. In diesem Fall ist das Erkennungsmerkmal der Fälschung, dass wiederum die Dichte nicht mit Gold identisch ist (dass es solch einen Fall gibt, können wir aufgrund der Weiterentwicklung der Metallurgie und Legierungskunde natürlich nicht gänzlich ausschließen). Beachten Sie deshalb: Eine alleinstehende Prüfmethode kann zerstörungsfrei niemals alle Fälschungen identifizieren.
1.1.5 Magnetwaage
Eine weitere Methode zur Messung der Barren ist die Feststellung der sog. magnetischen Suszeptibilitätseigenschaften mit der Magnetwaage. Damit lässt sich auch durch Blister und Verpackungen bis zu einer gewissen Dicke ermitteln, ob das aufgelegte Material das korrekte magnetische Verhalten (para- oder diamagnetisch, also anziehend oder abstoßend) aufweist. Die Magnetwaage stellt ein rein qualitatives Verfahren dar und eine quantitative Feststellung des Goldgehaltes ist nicht möglich. Man kann also das Vorliegen eines potenziellen Fremdmetalleinschlusses überprüfen - daher bezeichnen wir die Magnetwaage oft als "Wolframdetektor". Denn ein Goldbarren als sog. Diamagnet verdrängt ein magnetisches Feld und wirkt ihm entgegen - dadurch entsteht ein Druck auf den Messkopf, wenn man den Barren auf die Magnetwaage legt und ein positiver Wert wird angezeigt. Legt man einen vermeintlich echten Feingoldbarren auf und es erscheint ein negativer Wert, ist in der Regel etwas "faul". Beachten Sie aber unbedingt: sollte das Material, mit dem gefälscht wird, ebenso ein Diamagnet (z.B. Kupfer oder Silber) sein, erscheint ebenso ein positiver Wert und eine Erkennung der Fälschung mit der Magnetwaage allein ist unmöglich. Daher gilt das bereits erwähnte Prinizip der "Multi-Methoden" Analysen. Doch gerade die tückischen Fälschungen mit Wolframkern können in der Regel erkannt werden. Die folgende Grafik illustriert dies eindeutig:
Diamagnetismus
Feldlinien werden aus dem Material gedrängt. Stoff wird vom Magneten abgestoßen. Folge: positiver (+) Wert auf der Magnetwaage.
Paramagnetismus
Feldlinien werden im Material konzentriert. Stoff wird vom Magneten angezogen. Folge: negativer (−) Wert auf der Magnetwaage.
1.2 Größere Goldbarren (ab circa 50 g)
Prinzipiell gelten für die Echtheitsbestimmung von Barren ab circa 50/100 g die gleichen Grundlagen wie bei kleineren Barren. Man untersucht zunächst Gewicht, Abmessungen und idealerweise die Dichte. Denn gerade bei größeren Objekten liegen oftmals keine standardisierten Normabmessungen vor. Bei perfekt quaderförmigen Barren kann man mithilfe der Abmessungen und des Gewichts die Dichte errechnen und somit überprüfen. In den meisten Fällen sind die Kanten bei großen Barren abgerundet oder in anderen Formen vorhanden, was eine echte Dichtemessung unumgänglich macht. Sehen Sie sich im folgenden YouTube-Video die Prüfung eines Silberbarrens mit der Dichtewaage an (funktioniert analog für Goldbarren, Solldichte ist für Reingold 19,3 g/cm³):
1.2.1 Ultraschallbestimmung
Im Gegensatz zu den kleineren Barren sollte man für große Goldbarren auf die Bestimmung der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls im Material mithilfe des BarScreenSensors zurückgreifen. Denn versteckt ein Fälscher einen Wolframkern oder ähnliches tiefer in einem Barren, dann gelangt man mit dem GoldScreenSensor oder dem GoldScreenPen unter Umständen nicht in diese Bereiche. Natürlich kann man dennoch mit diesen Geräten die großen Objekte messen. Es gibt auch im Bereich der 100, 250, 500 oder 1000 Gramm Barren viele Fälschungen mit moderat dicken Goldbeschichtungen, die vom GoldScreenSensor durchdrungen werden. Somit können auf diesem Weg schätzungsweise schon 60 bis 70% der kursierenden Fälschungen entdeckt werden (die Fälscher wollen maximalen Profit und reduzieren deshalb den Edelmetallgehalt auf das Nötigste.).
Die Analyse der Schallausbreitungsgeschwindigkeit bringt Klarheit und entlarvt heimtückischen Fälschungen mit tiefen Einschlüssen. Weicht nämlich nach Bestimmung der Dicke des Barrens bei korrekter Einstellung der Schallgeschwindigkeit vom der tatsächlichen Dicke ab, so liegt höchstwahrscheinlich der Einschluss eines anderen Materials vor. Meist ist die Dicke dann weniger als halb so groß, weil das Fälschungsmaterial mittig eingesetzt wird und somit der Ultraschall bereits nach der Hälfte des Weges zurückgeworfen wird. Mit der Methode kann man den gesamten Barren nach und nach abtasten. Dies veranschaulicht die folgende Grafik:
Bei kleineren Objekten (siehe Punkt 1.1) ist die Methode nicht geeignet, da die Weglängen zur Messung des Schalls zu gering sind, außerdem Messungen durch Verpackungen und Blister nicht möglich sind und der Anteil der Prägung (also des "Luftwegs") an der Gesamtstrecke zu groß ist. Aufgrund der hohen finanziellen Werte, um die es geht, sollte das Entfernen der Verpackung allerdings einer eingehenden Prüfung nicht entgegenstehen. Sollte ein Verkäufer gar versuchen Sie hiervon abzuhalten, könnte dies schon ein Indiz sein, dass erhöhte Vorsicht angebracht ist. Achten Sie vor allem bei größeren Barren darauf auch wirklich den gesamten Barren zu prüfen - denn manchmal bringen die Fälscher das Fälschungsmaterial nur in einer Hälfte ein um mit der anderen Hälfte bei selbst angeregten Prüfungen Echtheit vorzutäuschen.
Fazit zum Goldtest bei Barren
Zusammenfassend lässt sich zur Goldbarren-Echtheitsprüfung sagen, dass inzwischen Barren aller Größen und Formen auch in verschiedensten Verpackungen gefälscht werden. Die dabei festgestellten Fake-Barren reichen von sehr plump gefälschten gold-beschichteten Eisen-, Edelstahl-, oder Messingbarren bis hin zu eingeblisterten Goldfälschungen mit Wolframkernen. Bei diesen Objekten ist ein ausführlicher Goldtest nach dem oben beschriebenen Vorgehen unerlässlich. Denn leider ist es so, dass sich der Ankäufer solcher gefälschter Goldbarren beim Weiterverkauf (auch unwissentlich) strafbar macht und in die Beweispflicht kommt. Sollten Sie nach den durchgeführten Tests immer noch Zweifel an der Echtheit haben, dann empfiehlt es sich die Barren aufzuschneiden oder einer chemischen Analyse zuzuführen.
2. Echtheit von Goldmünzen prüfen
In diesem Abschnitt widmen wir uns dem passenden Vorgehen zur Echtheitsprüfung von Goldmünzen verschiedener Größen. Da im Gegensatz zu den Barren, bei den Münzen auch Legierungen unterschiedlichsten Goldgehaltes eine Rolle spielen, betrachten wir auch diese. Dabei versteht man zum Beispiel unter einer 900er Goldlegierung eine Mischung aus 900 Anteilen (oder anders ausgedrückt 90%) Gold und 100 Teilen bzw. 10% eines anderen Metalls oder Metallgemisches. Die häufigsten Zusammensetzungen im Münzbereich sind dabei Gold-Kupfer- oder Gold-Kupfer-Silber-Gemische. Vereinzelt, vor allem in Südamerika, kommen auch größere Prägeserien aus Gold-Silber-Gemischen auf den Markt. Beachten Sie außerdem, dass manche Münzprägeanstalten im Laufe der Zeit die Zusammensetzung ihrer Münzen geändert haben. So hatte beispielsweise die UK Britannia, in den ersten 3 Jahren ihrer Prägung (1987-1989) eine Zusammensetzung aus 91,6% Gold und 8,4% Kupfer, welche dann ab 1989 auf 91,6% Gold, 4,2% Kupfer und 4,2% Silber geändert wurde und schließlich im Jahr 2013 auf 999er Reingold umgestellt wurde. Dies stellt aber eher eine Ausnahme dar, in den meisten Fällen behalten die Prägeanstalten ihre gewohnte Zusammensetzung seit Jahrzehnten bei. Dennoch ist es wichtig diese Möglichkeit im Hinterkopf zu behalten, da es sonst zu falschen Schlussfolgerungen kommen kann.
Des Weiteren ist zu unterscheiden zwischen Münzen neuerer Prägung (grob definiert als der Zeitraum nach dem zweiten Weltkrieg) und Münzen vor 1945 und vor allem aus dem 18ten und 19ten Jahrhundert. Gerade die älteren Münzen waren oft noch mit vielen Verunreinigungen und unerwünschten Fremdeinschlüssen versehen. Im Folgenden eine Betrachtung des Prüf-Prozesses der aktuell gängigsten und mit Abstand am meisten gehandelten, sog. Bullion-Anlagegoldmünzen. Die bekanntesten Vertreter dürften der Krügerrand, die Maple Leaf, der Wiener Philharmoniker, die UK Britannia, die diversen australischen Goldmünzen (wie der Kangaroo oder die Lunar-Serien) und die chinesische Panda-Serie sein. Danach werden die Besonderheiten erklärt, die es bei älteren Münzen zu beachten gibt.
2.1. Gewicht und Abmessungen ermitteln / Dichteprüfung
Bei den Münzen ist es in der Regel einfacher als bei Barren, die korrekten Referenzabmessungen zu ermitteln und diese mit der vorliegenden Münze abzugleichen. Das Gewicht ist durch die meist klare Einordnung in die Größen 1/10 Unze, 1/4 Unze, 1/2 Unze und 1 Unze definiert. Beachten Sie, dass bei legierten Münzen wie beispielsweise der 1-Unze-Krügerrand-Münze der Feingoldanteil entsprechend 1 Unze (also 31,1 g) beträgt, aber durch die Beimischung von Kupfer oder Kupfer/Silber (zur Erhöhung der Kratzfestigkeit) das Gesamtgewicht höher liegt (z.B beim Krügerrand 33,95 g). Die Angabe "1 Unze" bezieht sich eigentlich immer auf den tatsächlichen Feingoldanteil.
Eine umfangreiche und sehr detaillierte Übersicht der Edelmetallmünzen mit Gewichten und Soll-Abmessungen finden Sie übersichtlich in unserer Rubrik Münzabmessungen & Gewichte oder im Münzkatalog der ESG-Scheideanstalt. Das Gewicht können Sie mit der Goldanalytix Feinwaage bestimmen und die Abmessungen mit dem digitalen Messschieber ermitteln. Gerade bei unregelmäßig geformten Münzen, falls keine Referenzwerte vorliegen oder wenn die Prägungen besonders tief sind (und daher der mit einem Messschieber ermittelte Dickenwert nicht aussagekräftig ist), sollten Sie die Münzen mit der Dichtewaage auf das korrekte spezifische Gewicht überprüfen. Diese Methode erlaubt Ihnen das spezifische Gewicht von Edelmetallen zu ermitteln und mit entsprechenden Referenzwerten abzugleichen. Die Prüfung eines Barrens (funktioniert analog für Münzen) können Sie sich hier in unserem Dichtewaage-YouTube-Video ansehen.
Sind Abmessungen und Gewicht bzw. Dichte nahezu gleich, kann folglich kann nur noch ein Material vorliegen, welches diese Eigenschaften korrekt imitiert. Sehen Sie sich hierzu die Tabelle im Abschnitt 1.1.3 an. Es kursieren beispielsweise sehr viele Münzen die unter einer Goldbeschichtung einen Kern aus Wolfram, Tantal oder einer Wolframlegierung verbergen. Der Prüfprozess darf aus diesem Grund auf keinen Fall nach der Dichteprüfung abgeschlossen werden.
2.2 Elektrische Wirbelstrommessung
Mit den Geräten zur Ermittlung der elektrischen Leitfähigkeit im Inneren von (vermeintlichen) Edelmetallobjekten bietet Ihnen Goldanalytix die Möglichkeit unter anderem auch die gefährlichen Wolfram-Münzfälschungen zu identifizieren. Dabei stehen verschiedene dieser sog. Wirbelstrominduktions-Geräte für die jeweiligen Anwendungssituationen zur Verfügung.
GoldScreenSensor
Der GoldScreenSensor bietet Ihnen die Möglichkeit Münzen und Barren (und sonstige flach auflegbare Objekte) ab einer Größe von circa 1 g bei Goldbarren und ab 1/10 Unze bei Münzen zu bestimmen. Der Clou ist, dass die Messung auch durch Kapseln, Blister und zahlreiche andere Kunststoffverpackungen funktioniert. Wichtig zu wissen ist, dass der GoldScreenSensor je nach Leitfähigkeit des gemessenen Materials eine unterschiedlich hohe Eindringtiefe hat. Im Falle von Silber (das Metall mit der höchsten elektrischen Leitfähigkeit) beträgt diese mit circa 250 µm am wenigsten, wohingegen die Eindringtiefe bei Reingold (circa 300 µm) und bei Gold-Legierungen (circa 700 µm) deutlich höher liegt. Diese Eindringtiefen legen auch fest, bis zu welcher Objektgröße bzw. bis zu welchem Gewicht mit dem GoldScreenSensor gemessen werden kann. Denn je nach Geometrie und Abmessungen des Objektes kann die Eindringtiefe von z.B. 0,5 mm reichen um sicherzustellen, dass im Inneren keine Fremdmetalleinschlüsse vorhanden sind. So wird beispielsweise eine Münzfälschung mit 1 Unze erkannt, eine Barrenfälschung mit 250 g nicht. Die folgende Illustration veranschaulicht diesen Sachverhalt nochmals:
Wie in der Illustration zu sehen ist, können die Objekte gleiches Gewicht und Volumen besitzen, doch die unterschiedliche geometrische Anordnung bewirkt gänzlich verschiedene Ausgangslagen. Daher ist es schwierig ein pauschales Urteil zur maximal messbaren Objektgröße abzugeben - beispielsweise ein dünnes Goldband (oft als Vorstufe für die Blattgoldproduktion hergestellt) kann mehrere Kilogramm wiegen und ist dennoch gut mit dem GoldScreenSensor messbar. Grob lässt sich allerdings sagen, dass der GoldScreenSensor ideal im Bereich von 1 bis 31,1 g eingesetzt wird. Es können natürlich auch größere Objekte geprüft werden, jedoch immer unter Beachtung der voran beschriebenen Einschränkungen. Ein großer Teil der uns bekannten Fälschungen ist in der Tat derart gemacht, dass sie nur von einer dünnen Beschichtung des jeweiligen Materials überzogen sind und somit erkannt werden können.
2.3 Magnetwaage bei Münzen
Die Prüfung von Goldmünzen mit der Magnetwaage erfolgt analog zur Prüfung von Goldbarren, allerdings sind einige Besonderheiten bei der Anwendung zur Münzprüfung zu beachten. Auch hier gilt - ein negativer Wert bei einer modernen Reingold-Münze (Maple Leaf, Philharmoniker) ist eigentlich immer ein Grund für nähere Untersuchungen der Münze. Bei den älteren Reingold-Münzen und bei legierten Münzen ist die Sache etwas anders: es ist leider so, dass bei manchen Münzen und bestimmten Jahrgängen vermeintlich unsauber gearbeitet wurde bzw. ganz bewusst ferromagnetische Zusätze mit in die Münzen gemischt wurden (als Füllmaterial oder einfach als notwendig betrachteter Legierungsbestandteil). Dies führt dazu, dass eigentlich einwandfreie Münzen (also korrektem Goldanteil) einen negativen Wert auf der Magnetwaage zeigen. So tritt dies beispielsweise besonders gehäuft bei den älteren Krügerrändern der späten 1960er und 70er Jahre auf. In diesen Fällen ist der Goldgehalt in Ordnung doch neben dem Restanteil Kupfer sind auch verschwindend geringe Mengen an Eisen oder Nickel enthalten. Dies führt entsprechend zu negativen Werten auf der Magnetwaage (denn ein Ferromagnet interagiert natürlich besonders stark mit dem Magnetfeld der Magnetwaage). Ähnliches konnten wir beispielsweise bei Vrenelis' des Jahrganges 1922 beobachten. Eine oberflächliche XRF-Bestimmung bestätigte, dass der Goldgehalt wie gewünscht bei 90% war, jedoch brachte die Messung auch 0,2 % Eisenanteil (ungewöhnlich hoch) zu Tage.
Bitte beachten Sie, dass bei solch hohem Anteil an ferromagnetischem Material sogar die Leitfähigkeitsbestimmungen dem GoldScreenSensor oder des GoldScreenPen deutlich niedriger als erwartet ausfallen. Es ist nur sehr schwer einschätzbar wie viele Münzen oder Jahrgänge betroffen sind. Wir können daher nur einige eigene Beobachtungen und Feedback unserer Partner aus dem Goldscheide-Bereich wiedergeben: in jedem Fall sind umso mehr Exemplare "betroffen" je älter die Münzen sind. Gerade bei sehr alten Münzen aus dem 18ten und 19ten Jahrhundert liegt das Problem förmlich auf der Hand. Der gesamte Ablauf von der Gewinnung über die Aufreinigung und schließlich Verarbeitung der Edelmetalle reichte nicht annähernd an die modernen Standards heran. Daher war es keine Seltenheit, dass zahlreiche Verunreinigungen mit in die Münzen "eingeschleppt" wurden und somit auch die entsprechenden Messwerte beeinträchtigt sein könnten. Bei den modernen Bullionmünzen taucht das Phänomen nur in Ausnahmefällen auf (wie oben beschrieben bei den Krügerrändern). Dies bedeutet, dass Sie bei den typischen Anlagegoldmünzen neuerer Prägung bei entsprechenden Abweichungen von einer Fälschung ausgehen sollten.
2.4 Oberflächliche Bestimmungsmethoden
Die oberflächlichen Bestimmungsmethoden, wobei die wichtigsten Vertreter die Strichprobe mit den Goldprüfsäuren und die Röntgenfluoreszenzanalyse (XRF-Analyse) sind, können ergänzend auch bei der Münzprüfung eingesetzt werden. Ganz wichtig: für die zerstörungsfreie Prüfung der Fälschungen mit Fremdmetallkern sind diese Methoden gänzlich ungeeignet! Denn die XRF-Analyse reicht nur wenige Mikrometer (µm) in das Material hinein und für die tiefergehende Untersuchung mit den Prüfsäuren müsste man das Objekt an einer Stelle anfeilen bzw. aufschneiden.
Die beiden Methoden können aber wichtige Anhaltspunkte liefern um eventuelle Unterlegierungen aufzudecken. Denn eine häufige Fälschungsart ist die Anfertigung der Münzen aus deutliche geringwertigeren Legierungen als eigentlich vorgesehen - zum Beispiel wird der Krügerrand oftmals statt 916er Gold mit 750er Gold hergestellt oder der Vreneli statt 900er Gold mit lediglich 585er Goldlegierung. Diese Münzen könnten mit einem Säuretest auch erkannt werden - mit der deutlich kostspieligeren XRF-Methodik lässt sich sogar die genaue Oberflächenzusammensetzung ermitteln.
Fazit zur Prüfung von Goldmünzen
Die Anlage-Goldmünzen (sog. Bullions), beispielsweise der Krügerrand, stellen die mit Abstand häufigste Investment-Form in physische Edelmetalle für Kleinanleger dar. Daher kommen die wohl meisten Fälschungen auch gerade bei den 1-Unzen Bullion-Münzen vor (genaue Zahlen hierzu liegen nicht vor, die Angabe basiert auf unseren eigenen Erfahrungen mit aufgedeckten Fälschungsvorfällen bei Kunden etc.). Hier gilt es ganz exakt nach dem genannten Schema vorzugehen um auch alle Fälschungsarten (nach aktuell gültigem Stand; auch die Fälschungen entwickeln sich weiter!) aufzudecken. Gerade der Einsatz von modernen Prüfgeräten wie dem GoldScreenSensor ist unerlässlich. Mit derartigen Methoden können die Goldmünzen zerstörungsfrei bis ins Innere untersucht werden. Die Prüfung mit der Magnetwaage kann unter Beachtung der genannten Einschränkungen bei älteren Münzen immer eine weitere eindringende, ergänzende Methode darstellen.
3. Goldschmuck prüfen
Die Echtheitsprüfung von Goldschmuck stellt in seiner Gesamtheit eine große Herausforderung dar. Aufgrund der sehr vielfältigen Geometrien (Ringe, fein- und grobgliedrige Ketten, Ohrringe etc.) und Beschaffenheit (unterschiedlichst gemischte (Farb-)Goldlegierungen mit verschiedenen Karatzahlen) ist es unmöglich einen immer gleich geltenden Prüfweg vorzuschlagen.
Daher geben wir Ihnen im Folgenden einige grundlegende Leitlinien und Empfehlungen für die Schmuckprüfung und zeigen noch exemplarisch an ausgewählten Prüfszenarien wie man am besten vorgehen kann.
3.1 Fälschungen von Goldschmuck
Zunächst geben wir Ihnen eine Übersicht der häufigsten Typen von Schmuckfälschungen.
1.) Im ersten Fall wird durch die Beschichtung eines unedlen Metalls mit Gold vorgegeben, dass es sich um ein wertvolles Objekt handelt. Einige Beispiele sind die häufig vorkommenden Ringe, Ketten und Schmuckanhänger aus Wolfram- oder Wolframcarbid. Diese Stoffe imitieren nahezu perfekt die Dichte und damit das "Schweregefühl" bzw. Haptik (Griffigkeit bzw. Tastwahrnehmung) von Gold- und Goldlegierungen. Dadurch vermutet man hochwertiges Gold in der Hand zu halten, doch handelt es sich lediglich um eine mehr oder minder dicke Beschichtung mit Gold. Eine häufige Variante hiervon ist das sog. "Autobahngold" - meist billiger Stahl oder Edelstahl werden mit Gold beschichtet und als Echtgold-Schmuck verkauft. Der Name stammt von den oft an Autobahnparkplätzen "zufällig" sehr billig angebotenen Schmuckstücken unter der Vorgabe der Betrüger sie würden dringend Geld für ihre Weiterfahrt benötigen oder ähnlichen Geschichten.
2.) Unterlegierung / Stempelbetrug: es liegt eine Legierung mit weniger Goldgehalt vor, als durch die Stempelung bzw. Punzierung vorgegeben ist. Sehr oft zu beobachten ist dies bei 585er Eheringen: es wird 585 bzw. 14 Karat aufgestempelt, doch in Wahrheit liegt nur eine 385 oder 333 Legierung vor (analog bei den anderen Legierungen). Hier liegt der Profit der Fälscher vor allem in der Masse der hergestellten Objekte und der nicht so offensichtlichen Erkennbarkeit der Fälschung. Man hält ja schließlich die nahezu richtige Legierung in der Hand, bezahlt aber dennoch einen nicht unerheblichen "Aufschlag".
3.) Wie bei Punkt 2, doch noch raffinierter - an der Oberfläche ist die richtige Legierung aufgalvanisiert (z.B circa 585 Rotgold) doch darunter liegt entweder wie in Punkt 1 nur wertloses Fremdmetall vor oder wie in Punkt 2 eine minderwertigere Legierung. Gerade diese zweitgenannte Art von Fälschungen hat ihre Tücken bei der Erkennung - siehe folgenden Abschnitt 3.3.
3.2. Besonderheiten von Schmuckgold-Legierungen
Bei Barren ist der Fall ziemlich klar - die überwiegende Mehrheit aller Barren besteht aus Reingold 999 bzw 9999. Die Goldmünzen, gerade bei den meistgehandelten Anlagemünzen, sind entweder aus Reingold 9999 (z.B. Maple Leaf oder Philharmoniker) oder meist klar definierten Legierungen aus Gold-Kupfer (z.B. die Krügerrand-Münze aus 916 Teilen Gold und 84 Teilen Kupfer), Gold-Silber oder Gold-Kupfer-Silber (UK Britannia Jahrgänge 1990 bis 2012 oder der American Eagle) mit Anteilen von 900 bis 986 Teilen Gold.
Ganz anders verhält es sich hingegen bei den Schmuckgold-Legierungen. Hier treten für die Echtheitsprüfung 2 Probleme auf:
a.) Bei Goldgehalten unter 800 Anteilen Gold rücken die Leitwerte der jeweiligen Goldlegierungen immer enger zusammen bzw. kehren sich die Verhältnisse zwischen Edelmetall und Kupfer oder Silber um und die Leitwerte steigen teils wieder. Dies ist besonders für die eindringende Wirbelstrom-Messung ein Problem und erschwert die Interpretation der Ergebnisse mit dieser Methode. Betrachtet man eine Leitwerttabelle von beispielsweise Rotgoldlegierungen, erkennt man, dass geringe Zusätze von Fremdmetall zum Gold noch große Änderungen in der Leitfähigkeit bewirken. Mit größer werdendem Fremdmetallanteil ändert sich dies aber zunehmend. Wird der Kupferanteil immer größer kehrt sich die Leitwert-Entwicklung wieder um und steigt, so dass sich automatisch für gewisse Mischungen Überschneidungen ergeben.
b.) Man erkennt, dass sich ganz reine Rotgold-Legierungen mittels eindringender Leitfähigkeitsmessung durchaus bestimmen lassen würden, doch es kommt noch ein praktisches Problem hinzu: die Legierungen im Schmucksektor sind meist nicht einfach binäre (Mischung aus 2 Komponenten) Gemische. Die 585 Rotgold-Legierung eines bestimmten Herstellers können eine deutlich andere Zusammensetzung als die 585-Legierung eines anderen Fabrikanten haben. So ist es möglich, dass Hersteller 1 zu Zwecken der Optimierung von Glanz oder Härte ganz andere Metalle zum Gold beimischt als Hersteller 2 (beispielsweise können Cadmium, Nickel, Kupfer, Silber oder Palladium in unterschiedlichen Mengen dem Gold beigegeben werden). Dies führt dazu, dass das finale Schmuckstück zwar denselben Goldgehalt hat und dann entsprechend gestempelt ist, das finale Gemisch aber gänzlich andere Eigenschaften hinsichtlich Leitfähigkeit, Dichte und weiteren physikalischen Messwerten besitzt.
Aufgrund dieser beiden Problematiken kann es passieren, dass 2 Schmuckstücke beispielsweise als Rotgold 333 verkauft werden, aber sich in ihrem Leitwert oder gar in ihrer Dichte teils erheblich unterscheiden, da das finale Gemisch zwar in beiden Fällen 333 Teile (immer auf 1000 Teile bezogen) Gold enthält, doch die restlichen 667 Anteile eine abweichende Zusammensetzung besitzen. Ganz wichtig zu wissen: in beiden Fällen liefern Ihnen unsere Prüfgeräte den korrekten Leitwert, Magnetgewicht oder die Dichte des jeweiligen Gemisches, doch wie Sie sehen können, ist die Interpretation des Ergebnisses in diesen Fällen nicht immer ganz einfach. Dazu benötigt es oftmals einiges an Erfahrung oder entsprechende Daten vom Hersteller zur genauen Zusammensetzung.
3.3 Vorgehen bei der Prüfung von Schmuckgold
3.3.1 Oberflächliche Prüfung mit Prüfsäuren oder Röntgenfluoreszenzanalyse
Da bei Schmuckstücken meist keine eindeutig definierten Referenzgewichte und Maße vorhanden sind, bietet sich eine Gewichtsprüfung meist nur an wenn es sich um Imitate von bekannten Stücken bzw. Serien handelt. In diesem Fall kann man die Gewichte durchaus mit den Angaben des Original-Herstellers abgleichen. Aufgrund der großen Diversität und Individual-Anbieter ist es aber generell eher schwierig hier ohne zu großen Aufwand an verlässliche Vergleichswerte zu kommen. Dennoch lohnt es sich natürlich einmal das vermeintliche Sollgewicht (z.B. aus den Angaben eines beiliegenden Zertifikats) mit dem tatsächlichen Gewicht abzugleichen.
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Grundsätzlich bietet sich aber als erster, relativ einfach durchzuführender und kostengünstiger Schritt die Untersuchung mittels Goldstrichprobe und den Goldprüfsäuren an. In Kürze erklärt, macht man bei der Strichprobe einen Abrieb von der Oberfläche des goldenen Prüfstücks auf einem sog. Prüfstein (meist aus speziellem Schiefer gefertigt). Auf diesen Abrieb werden dann je nach Prüfsituation verschiedene Prüfsäuren aufgetragen um so die Karatzahl zu ermitteln. Die tiefergehenden Details zur Durchführung der Prüfsäure-Methode entnehmen Sie bitte unserer Seite zur Anwendung der Prüfsäuren. Beachten Sie das die Prüfsäure-Methode nicht ganz zerstörungsfrei ist, denn man hinterlässt immer an der Abriebstelle einen kleinen Kratzer. Das heißt für neuere und repräsentative Objekte ist die Methode nicht geeignet, für Alt- und Bruchgold hingegen schon. Im Falle von Altgold ist es eventuell möglich die Objekte tiefergehend anzufeilen oder sogar aufzuschneiden und dann von innenliegenden Stellen den Abrieb zu machen. In diesem Fall wird die Prüfsäure-Methodik von einer oberflächlichen zu einer quasi-eindringenden Methodik. Selbstverständlich ist dieses Vorgehen deutlich aufwändiger und zeitintensiver als andere Prüfmethoden, in manchen Fällen aber tatsächlich die beste Option. Eine weitere oberflächliche Methode die noch deutlich detaillierte Aufschlüsse zur Oberflächenzusammensetzung liefert ist die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA oder häufig auch XRF-Analyse (von X-Ray Fluorescence) genannt). Hier wird die genaue elementare Zusammensetzung an der Oberfläche ermittelt. Die Methode ist allerdings relativ teuer (von circa 15000 € für tragbare Geräte bis zu 45000 € für High-End Tischgeräte) und vor allem ein ganz wichtiger Punkt den es zu beachten gilt und der oft für Verwirrung und Fehlinterpretationen sorgt: die RFA-Methodik ist eine rein oberflächliche Methode - die Eindringtiefen betragen in Gold nur wenige Mikrometer (µm)! Dies heisst lediglich äußerst dünne Vergoldungen (sog. Deko- oder Flash-Vergoldungen) können durchdrungen werden. Die sog. Hartvergoldungen (meist definiert als Schichten mit einer Dicke ab 20 µm) können bei weitem nicht durchdrungen werden. Wenn man nun bedenkt, dass die meisten der Wolframkupfer oder Wolfram-Fälschungen meist Vergoldungen zwischen 30 und 60 µm aufgetragen haben, wird klar, dass hier die RFA-Methode zu gefährlichen Fehlannahmen führen kann. Natürlich nicht weil die Methode per se schlecht ist, ganz im Gegenteil - die RFA Analyse kann hochinteressante Erkenntnisse bringen, sondern weil man ihre Anwendung falsch einschätzt. Für den Fall, dass man die Objekte anfeilen oder aufschneiden kann, gelten die gleichen Aussagen wie bei den Prüfsäuren.
Mit beiden Methoden kann man also an der Oberfläche der Objekte annähernd die Karatzahl bestimmen und mit dem eingestempelten (vermeintlichen) Goldgehalt abgleichen. Viele Objekte lassen sich meist schon an dieser Stelle aussieben. Über die Zusammensetzung im Inneren weiß man zu diesem Zeitpunkt aber weiterhin noch nichts (außer man kann wie erwähnt, die Objekte aufschneiden bzw. anfeilen). Es gilt daher noch weitere Untersuchungen mit zerstörungsfreien aber dennoch eindringenden Methoden durchzuführen.
3.3.2 Eindringende Methoden
Es gilt zunächst zwischen Objekten zu unterscheiden, welche einheitlich aus einem Edelmetall bzw. einer Edelmetalllegierung gefertigt sind und solchen, welche entweder aus mehreren (Farb-)Legierungen (sog. Bi-Color oder Tri-Color Schmuckstücke, z.B. mit Teilen aus Gelbgold, Rotgold oder Weißgold) oder mit fest verbauten Steinen, Hohlstellen oder sonstigen Fremdmaterialien gefertigt wurden. Im zweiten Fall (also nicht homogenen bzw. einheitlichen Stücken) kann die Bestimmung mittels der Dichtewaage nicht eingesetzt werden.
Liegen allerdings aus einem Material und ohne Hohlstellen gefertigte Schmuckstücke vor (z.B. Eheringe aus 585er Gold, Ketten ohne Schmuckstein, Uhrengehäuse etc.) kann deren spezifisches Gewicht mittels der Dichtebestimmung ermittelt werden. Die Dichten der verschiedenen Schmuckgoldlegierungen sind in der Regel (mit der Ausnahme "exotischer" Zusammensetzungen, z.B. hoher Platin oder Iridium-Anteil) gut voneinander differenzierbar.
Es stellen sich an diesem Punkt nun 2 entscheidende Fragen:
a) Wie geht man mit Schmuckfälschungen um, welche die Dichte der Original-Legierung imitieren?
b) Wie begegnet man Unterlegierungen bei Objekten die eben nicht massiv und homogen sind und daher nicht der Dichtemessung zugänglich sind?
Zunächst ist zu sagen, dass es für beide Problemstellungen nicht die EINE perfekte Vorhergehensweise gibt um jede denkbare Fälschung zu identifizieren.
Für die durch die erste Frage a) umschriebenen Objekte gibt es in der Regel eine sehr gute Problemlösung: den GoldScreenPen. Hat man also in einem vorherigen Schritt bereits die Dichte geklärt empfiehlt es sich eine Messung mit dem GoldScreenPen anzuschliessen. Aufgrund der feinen Messspitze und der induktiv-eindringenden Messmethodik ist es möglich, Fälle von beschichteten Fremdmetallkörpern auch bei Schmuckstücken zu erkennen. Denn solange die Auflagefläche auf dem Objekt mindestens der Größe der Messspitze entspricht, kann das Objekt mit dem GoldScreenPen bis zur Eindringtiefe des jeweiligen Edelmetalls untersucht werden. Das heißt für Fälle, wie vergoldete Wolframcarbid-Ringe oder das sog. Autobahngold (meist vergoldetet Edelstahl-Ketten etc.) funktioniert diese Methode ganz hervorragend.
Wichtig zu wissen zu Frage b): bei Legierungen unter 900er Goldanteil, rücken die Leitwerte immer enger zusammen und ab einem gewissen Anteil von z.B. Kupfer steigen die Werte sogar wieder. Das heißt es gibt viele Überschneidungen und somit einige gleiche Werte für unterschiedliche (Farb-)Legierungen. Daher ist bei dem Versuch mit dem GoldScreenPen auch die Karatzahlen im Inneren nachhaltig zu bestimmen gute Kenntnis der jeweiligen Leitwerte und auch ein gewisses Maß an Erfahrung nötig. Ebenso hilfreich ist die Kenntnis der genauen Zusammensetzungsvorgaben des Herstellers. Denn im Bereich der Schmucklegierungen gibt es sehr viele Zusätze zu den Goldlegierungen, beispielsweise um die Härte, den Glanz oder die Farbe zu modifizieren. Jeder Metall-Zusatz bedeutet jedoch auch eine mehr oder minder große Änderung der elektrischen Leitfähigkeit des Objektes.
Unbedingt zu beachten ist Folgendes: der GoldScreenPen wird Ihnen von allen messbaren Objekten den richtigen Leitwert bis zur jeweiligen Eindringtiefe ausgeben! Lediglich die Interpretation dieses Ergebnisses ist im Bereich der Schmucklegierungen ein ganzes Stück schwieriger als bei den Münzen oder Barren. Denn so kann es vorkommen, dass eine 585er Rotgoldlegierung in einem ähnlichen Bereich wie eine bestimmte 333er Weißgoldlegierung liegt. Aufgrund diese Unwägbarkeiten empfiehlt es sich auf jeden Fall vor der Prüfung mit dem Pen zumindest die durch die Prüfsäuren (falls vorhanden am besten mit XRF) den Karatgehalt zu verifizieren der aufpunziert ist. Denn die Unterscheidung zwischen Legierungen des gleichen Goldgehaltes wird dann schon deutlich leichter. Denn Weißgold ist von Rotgold und Gelbgold ganz klar unterscheidbar und schon reduzieren sich die möglichen Leitwerte auf einen (Weißgold) oder 2 (entweder Gelb- oder Rotgold) - dies macht die Ergebnisauswertung deutlich einfacher.
Fazit zur Prüfung von Goldschmuck
Aufgrund der Vielzahl verschiedener Typen von Legierungen und Objektgeometrien ist die Prüfung von Schmuck anspruchsvoller als die der Barren und Münzen. Jedoch lassen sich viele Fälschungen bereits mit den oberflächlichen Methoden oder der Dichtewaage erkennen. In Kombination mit den vorher genannten Methoden kann auch der GoldScreenPen noch entscheidende Indizien zur Identifikation von Fälschungen liefern. Beachten Sie bitte, dass die Magnetwaage, der Barscreensensor und der GoldScreenSensor in der Regel nicht zur Schmuckprüfung geeignet sind (von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, z.B. Uhrendeckel oder ähnliches).